Die Frage klingt zunächst trivial, aber trotzdem haben viele Product Owner ein Problem damit. Wir wollen mit den folgenden Zeilen ein wenig dazu beitragen, etwas mehr Klarheit in den Begriff „Product“ zu bringen.

Der einfache Fall

Wenn Sie als Product Owner zuständig sind, ein IT-Produkt zu entwickeln bzw. weiterzuentwickeln, dann ist die Antwort wohl einfach. Dieses IT-Produkt ist Ihr „Product“ und Sie werden genau dafür Ihren Product Backlog füllen. Dabei ist es egal, ob das eine neue App für Smart Devices ist, oder ob Sie ein komplexes Produkt

Terminologisch schon etwas schwieriger ist es, wenn in Ihrer Welt das Wort „Produkt“ nicht vorkommt, weil Sie eine IT-Applikationen für die interne Anwendung im eigenen Unternehmen entwickeln und vielleicht eher von Ihrem „CRM-System“ sprechen, oder Ihrem „System zur Verwaltung freier Seminarräume“ sprechen. Ob Sie es nun „System“ oder „Produkt“ nennen: es ist Ihr „Product“.

Komplexere Fälle

Ihre Herausforderung ist es vielleicht, die Geschäftsprozesse einer ganzen Abteilung zu optimieren (z.B. 20% Kosten einsparen zu müssen, oder die Abläufe um 30% beschleunigen“ oder die Kundenzufriedenheit um auf 90% zu erhöhen. In der Bewältigung dieser Aufgaben müssen Sie vielleicht nicht nur die Geschäftsprozesse untersuchen und optimieren, sondern vielleicht mehrere verschiedene IT-Systeme anpassen, besser integrieren, mit neuen Features ausstatten, etc. Sie merken schon: jetzt ändern Sie nicht nur ein Produkt, sondern vielleicht sogar viele. Im agilen Sinne ist die ganze Abteilung (mit allen unterstützenden IT-Systemen und allen menschlichen Prozessen) Ihr „Product“. Vielleicht nennen Sie es aber nicht so, sondern sprechen von Ihrer Domäne, Ihrer Abteilung, oder ähnlichem.

Das gleiche betrifft Product Owner, die eigentlich Product Linie Manager sind. Sie betreuen vielleicht nicht nur ein Produkt, sondern eine ganze Familie von verwandten Produkten, z.B. die Herstellung von Getriebesteuerungssystemen für unterschiedliche Hersteller, in unterschiedlichen Ausbau- und Leistungsstufen, die in unterschiedliche Länder der Welt in unterschiedlichen Konfigurationen geliefert werden. Diese Produktfamilie oder Product Line ist jetzt ihr „Product“.

Schwieriger wird es auch, wenn das Ergebnis Ihrer Arbeit nicht alleine vermarktbar ist. Das Wort „Product“ suggeriert immer, dass man es kaufen und nutzen kann, oder – wenn es nicht verkäuflich ist – wenigsten nutzen kann. Nicht immer sind Ihre User allerdings End-User. Wenn Sie für die Entwicklung einer Library oder eines Frameworks verantwortlich sind, die aus Gründen der Wiederverwendung und Konsistenz anderen Teams viel Arbeit abnehmen sollen, so hat Ihr „Product“ vielleicht niemals End-User als Kunden, sondern andere Projekte, die Ihr Ergebnis in deren eigene Systeme oder Produkte einbinden. Aus Sicht von Endusers sind Ihre Ergebnisse vielleicht total unsichtbar. Trotzdem ist so ein Framework Ihr „Product“.

Zusammenfassung und Empfehlung

Sie merken schon: der Begriff „Product“ hat vielerlei Facetten. In req42 klären wir die Frage „Was ist mein Product“ ziemlich früh im Projekt, indem wir den Scope festlegen und die Schnittstelle zum Kontext abgrenzen. Fangen Sie niemals Ihre Arbeit als Product Owner an, ohne diese wichtige Aufgabe zu erledigen. Lesen Sie dazu den Blogbeitrag „Scope ist nicht gleich Scope“, der Ihnen erläutert, wie Sie das tun können und wie Sie sicherstellen können, dass Sie nicht ständig unter Requirements-Creep leiden.

Viel Spaß bei der Arbeit mit Ihrem „Product“.

 

 

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